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Liebe Freund*innen. (Hold on to goldene Schnatz-Momente)

Liebe Freund*innen.
Viele von euch haben gerade zu kämpfen, mit euch, mit allem irgendwie. Dieser Herbst, scheint es, haut richtig rein und viele um. Sicher hat das, neben allen persönlichen Faktoren, auch mit der politischen Lage zu tun. Mit all den erschreckenden Bildern, grusligen Entwicklungen, bedrohlichen Szenarien, die Tag für Tag wie kalte Zugluft unter unsere Haut kriechen und da wie ein kalter Nebel kleben bleiben. (Ach ja, wie geringdosierte Dementoren, genau.) Wer weiß, vielleicht kommt dazu das Klima und seine Ausreißer, vielleicht ist unsere leibliche Stabilität in der dörrenden Hitze dieses Sommers eingetrocknet wie unser Rasen bis zu den Wurzeln und die wiederkehrende Kälte und Dunkelheit trifft uns unvorbereitet, als hätten unsere Körper in dieser wüstenhaften Zeit vergessen, was Herbst und anbrechender Winter heißt. Wie unvorbereitet stehe ich in einer Jahreszeit, die doch jedes Jahr vorhersehbar ist, die ich so oft erlebt habe. Naja, vielleicht hat es auch damit nichts zu tun.

Liebe Freund*innen.
Bitte lasst euch eure Hoffnung oder euren Lebenswillen nicht vergiften. Schaut euch um und seht, wer alles da ist: Queere Familien, feministische Freund*innennetze, WGs als geborgene Schutzhütten und als kämpferische Barrikaden gegen alles was da draußen brandet, politische Freund*innen und solche Menschen und Beziehungen, denen wir gar keine Namen geben können, aber die alles bedeuten, wofür wir stehen. Gerade in ihrer Verschiedenheit und mit ihren Eigenheiten.

Liebe Freund*innen.
Bitte seht, was alles noch geht. All das Gute, meine ich. Bitte lasst euch nicht den Atem rauben, eure Projekte und Pläne zu schmieden, die das Gute voller, schöner, glitzernder, stabiler machen. Es gibt so viele Möglichkeiten. Vergesst nicht, was alles Gutes passiert, wer von euren Freund*innen, von euch, von uns, allein dieses Jahr wundervolle Dinge geschafft, geschaffen, erreicht, überwunden hat. Die großen Geschenke und die kleinen, so unsagbar wichtig grundlegenden Schritte. Ich bin so dankbar, so viel davon mit euch zu teilen.

Liebe Freund*innen.
Bitte seid gut zu euch und schenkt euch selbst so viel Mitgefühl wie euren Lieben. Nicht weniger habt ihr verdient und es tut weh zu sehen, wenn ihr euch so behandelt, wie ich euch von niemandem behandelt sehen will. Sprecht nicht wie Unterdrücker*innen oder abuser mit euch selbst, don’t beat yourself down. Manchmal kann das der schwerste Schritt sein. Wir leben mit Unterdrückung und so viel kollektivem gaslighting; wir werden die Sichtweise der uns unterdrückenden Position vielleicht nicht los. Aber lasst sie uns aus unserem Inneren so weit wie möglich verbannen und verdrängen, bis sie nur noch an ein paar Punkten ganz außen in unseren Gliedmaßen sitzt, wo wir sie isolieren und von unserem tiefsten Inneren fernhalten. Gentrifizieren wir den shit out of our oppresser’s voice in uns. Nutzen wir den freigewordenen Raum für wertvollere Gefühle und Gedanken, bestärken wir uns lieber selbst – und diesen Raum einnehmen zu wollen kommt andere teuer zu stehen. Außer es bereichert uns, dann wollen wir ihn verschenken.

Liebe Freund*innen.
Findet den Punkt in euch drin, bei mir sitzt er irgendwo schräg rechts, zwischen Brust und Bauch, den ihr nur findet wenn ihr ganz ruhig seid und ohne Vorbehalte gegen euch selbst, der Punkt der wie ein feste Basis ist, an die ihr einhaken könnt, der euch grounded und euch sagt: du stehst mit beiden Beinen auf dem Boden und du stehst sicher genug, zu dir selbst, um weitergehen zu können. Aber für einen Moment bleib nur stehen und wisse, dass du nicht das ganze Getöse um dich herum bist, sondern dass es dich noch gibt und dass du genug bist, wenn du für dich alleine stehst.

Liebe Freund*innen.
Hört die Podcasts, bei denen ihr das Gefühl habt, dass euch jemand durch den Äther hindurch die Hand reicht und ihr euch festhaltet. Sucht die Bilder der Menschen, bei denen etwas in euch sagt: ja! Ja ja ja! Hört die Talks, seht die Serien oder schaut die Dokumentationen, die euch glauben lassen: es geht. Es geht anders. Es gibt Ansätze. Es gibt Mitgefühl. Es gibt Kämpfe, die sich lohnen. Es gibt Menschen, die für etwas wirklich Gutes eintreten.

Liebe Freund*innen.
Haltet in euch Ausschau nach Impulsen für Dinge, die ihr wollt. Wir haben das so oft verloren. Wenn es irgendwie möglich ist, macht das, was der Impuls euch sagt. Es ist so leicht zu sagen; tu dir was Gutes. Und manchmal so schwer zu wissen, was das wäre. Zu fühlen. Wenn ihr einen Impuls findet, der Ja! zu etwas sagt: fangt ihn ein wie einen Schnatz und folgt ihm, er gibt euch Kraft und Mut. Und die brauchen wir. Wir brauchen viele kleine goldene Schnatz-Momente. Wir brauchen unsere Kraft und unseren Mut und wir müssen Lachen und Pläne schmieden und genug schlafen und essen und wir brauchen feministisch Kreatives so sehr wie warme Socken, politische Utopien und einer Idee davon, worauf wir Lust haben.

jedes mal wieder

jedes mal wieder

jedes mal wieder
braucht es Anläufe, erfolgreich oder nicht,
kürzer oder länger

jedes mal wieder
merke ich erst hinterher
dass sich in mir wie ein Schalter umgelegt hat,
ein Schalter, der die Tore öffnet,
welche mich in meiner Einzelheit
eingeschottet haben,
die mir sagt, dass meine Kraft nicht reicht
zum Gemeinsamsein

aber
jedes mal wieder
kommt der Moment,
in dem ich wieder Gefühle habe
und Bewegung in mir,
in dem das Gemeinsamsein leicht fällt,
gemeinsam bewegt, trägt, von allein

und auch diesmal wieder
war das entscheidende Moment,
das mich aus der Schwere und Dumpfheit,
Antriebslosigkeit,
gerissen hat
weder das Alleinsein
noch die Gute-Laune-Ignoranz

auch diesmal
habe ich mich nicht für mich alleine wiedererkannt,
sondern
in der kollektiven Trauer, Bestürzung,
Fassungslosigkeit
und des sich Fassens,
etwas ungeschönt Entgegenblickens
in der geteilten Aufrichtigkeit des Moments
in dem wir das große Ganze sehen
in dem wir wissen, das so einiges auf uns zukommt
in dem wir zugeben, dass wir keine einfachen Lösungen haben
in dem wir vielleicht unsere Konflikte miteinander neu überdenken,
einander erstmal zuhören,
in dem wir uns verletzlich, persönlich, emotional betroffen zeigen,

in dem wir zwar nach vorne blicken
aber noch nicht laut rufen, lärmend, was zu tun sei

- sondern einen Moment nur innehalten
gemeinsam sehen, fühlen, was passiert

einen Moment die Alltagsstraßen
in einen deutlichen sichtbaren Moment
des gemeinsamen Innehaltens verwandeln

Mit einer schweigenden Minute
uns gleichermaßen in den größeren Zusammenhang,
an den Punkt der uns alle verbindenden Geschichte stellen
und alles Getöse übertönen

Love knows no borders
nein
Love breaks borders
aber nur mit
actions and organization

no tenim por

wir sind viele
wir sollten keine Angst uns einpflanzen lassen

Verwandelt die Straßen in Gärten des Gedenkens

Steht auf in Bussen, Geschäften, Büros
lasst euren Alltag die action sein
wenn sie gebraucht wird

Sprecht miteinander
über alle Grenzen

Lasst euch niemals spalten

Wandelt, was euch von euch selbst und allem um euch trennt
in geteilte Anteilnahme

Siamo tutte antifasciste

[Gedanken zur Demo in Reaktion zum Einzug der AfD ins Parlament]

Katharsis im Kartonformat

Wenn Situationen geschehen, in denen eine_r sich ohnmächtig fühlt – vor allem wenn mehrere davon zusammenkommen – wird manchmal der ganze Panik-Angst-Schuld-Komplex in einen Karton gepackt und möglichst weit nach hinten geschoben.

Wenn der Karton nicht mehr im Zentrum der Aufmerksamkeit steht, kann er so komprimiert gut unbemerkt da hinten stehen.

Aber manchmal rappelts im Karton.
Und zwar immer dann, wenn etwas auftaucht, das an eine Sache darin erinnert. Dann rappelt gleich der ganze Karton, weil darin alles zusammen gewurschtelt ist und nicht schön sortiert darin liegt.
Dann leuchtet und blinkt die Angst-Panik-Schuld-Aufschrift auf dem Deckel wild auf und wir wollen dass sie ganz schnell wieder damit aufhört; (mehr…)

Scheinwidersprüche: war on holiday

Urlaub in Italien
Tourismus, Essen, Faulenzen
und Krieg im Kopf
– Diktaturen, Staatsterror, Anschläge

das ist das Leben.
Diese absurden Scheinwidersprüche sind so normaler,
traurig normaler,
aber nie gezeigt …

holiday
enjoying leisure, doing nothing

can be a challenge

dares me to stand myself
doing nothing

but doing nothing
is so close to being useless,
irrelevant.
But I need to be relevant! (mehr…)

Kleines Manifesto. Eine Hommage an unsere Freund*innenschaften

[Dies ist für Euch. Mal wieder dokumentiere ich hiermit eigentlich nur die Quintessenz vieler unserer Gespräche … <3 Die Chronistin]

Freiheit
besteht für mich nicht in der Abwesenheit von Bindungen,
kann sie gar nicht.

Freiheit
besteht für mich im bewussten und lustvollen Bejahen von Bindungen, die auf Freiwilligkeit und Gegenseitigkeit beruhen und über deren Bedingungen und Formen wir, die darin Verbundenen, gemeinsam immer wieder entscheiden. (mehr…)

Liebe & Politik

Liebe
meine Liebe im Allgemeinen galt immer vielen:
Freund_innen, Familie, Menschen um mich …

Liebe im Speziellen
als konkrete Sehnsucht
galt (seit ich mich erwachsen nenne) einem Einzelnen dann
wenn er mir Hoffnung (Symbol, Verknüpfung)
auf politische Entwicklung war

Gemein mit der bürgerlichen Paarbeziehung ist mir da
der Wunsch, die Sehnsucht
aus einer Bindung etwas Neues zu erschaffen,
der Keim von etwas Entstehendem, über uns Hinausgehenden zu sein

jedoch will ich keine Familie gründen
sondern Teil einer Bewegung sein (mehr…)

Confessions of a Polit Sexual

Du, ich muss dir was sagen:
Ich fühl mich politisch zu dir hingezogen.

Ja, es bringt mich etwas in Verlegenheit,
denn ich finde es politisch fast unanständig …

Aber ich sag’s dir trotzdem:
Ich hätte gern ein Politdate mit dir.

Vielleicht verrätst du mir dann –
kann ich mir bei dir politische Hoffnungen machen?

Zwischen uns könnte sich was entwickeln,
eine politische Zweierbeziehung?

Oder eher Dreierbeziehung –
politisch bin ich poly.

… Oder willst du nur ‚Genoss_innenschaft‘??

[290116]

SommerRegenBrüche

DANKE
für den Sommerregenbruch
der mir nicht den Kopf
aber mein Herz gewaschen hat
und dazu der frische Fahrtwind
auf dem Rad durch Oldenburg

danke
für das Kreislaufdurchbrechen
geschenkter Krankheitstag (mehr…)

„Feminists don‘t cry (in front of men)“

Manchmal hab ich Angst.
Nicht vorm Dunkeln, nicht vor Prüfungen oder Spinnen.

Manchmal hab ich Angstzustände
dann hängt sich alles an einer Sache auf
und meine Gedanken drehen sich immer schneller
unaufhaltsam darum. (mehr…)

Wie ist Vertrauen in Strukturen möglich? (Part II – ‚taktische‘ Erwägungen)

Bestimmte Räume bewusst zu verlassen

– weil ich gemerkt habe (oft auf schmerzvolle Weise), dass meine Betroffenheiten & dementsprechend Notwendigkeiten/Bedürfnisse
hinsichtlich politischer, sozialer, persönlicher Handlungen
nicht gesehen, verstanden, respektiert, einbezogen wurden –

war für mich ein wichtiger Schritt

um meine eigenen Belange, meine Themen & Ziele,
meine Bedürfnisse, Grenzen und Kämpfe
auszuloten, zu erkennen, zu setzen.

Weil ‚Bündnispolitik‘ für mich oft klang nach: (mehr…)