Kleines Manifesto. Eine Hommage an unsere Freund*innenschaften

[Dies ist für Euch. Mal wieder dokumentiere ich hiermit eigentlich nur die Quintessenz vieler unserer Gespräche … <3 Die Chronistin]

Freiheit
besteht für mich nicht in der Abwesenheit von Bindungen,
kann sie gar nicht.

Freiheit
besteht für mich im bewussten und lustvollen Bejahen von Bindungen, die auf Freiwilligkeit und Gegenseitigkeit beruhen und über deren Bedingungen und Formen wir, die darin Verbundenen, gemeinsam immer wieder entscheiden.

Freiheit
bedeutet für mich, diese Entscheidungen ohne Zwang (bzw. mit so viel Spielraum wie die gesellschaftliche Realität es eben erlaubt) immer wieder neu treffen zu können
und dem gesellschaftlichen Druck, der Zurichtung und psychischen, emotionalen wie materiellen Zwängen/Repressionen unsere wirklichen Bedürfnisse voranzustellen – eigene Wege zu entwickeln und uns so der systematischen Zerstörung unserer Beziehungen, unserer Selbst, der Utopie der freien Gesellschaft und des herrschaftsbefreiteren Lebens solidarisch entgegenzustellen.

Wir verbünden unsere Herzen, Leben und damit auch Kämpfe in unvorstellbarer und oft unsprechbarer Weise, die schwer zu erklären ist, da sie nicht verstanden werden soll, nicht existieren soll.
Doch auch wenn uns keine Begriffe, keine Sprache gegeben ist, um unser Geflecht von Beziehungen zu beschreiben und begreifbar zu machen – wir leben es trotzdem. Wir nennen uns vielleicht Verantwortungsgemeinschaft oder Unterstützungs-/Supportstrukturen, solidarische Netze oder einfach wichtige Bezugspersonen. (Im Ganzen nicht Kollektiv, da wir keine abgeschlossene Gruppe sind, sondern jede*r in vielfachen Beziehungen hängt, die sich teils nur bereichsweise überschneiden.)
Wir haben noch keine allgemeinverständliche und für alle gültige Sprache für unsere Lebensweisen entwickelt. Aber wir versuchen zu sprechen, wie wir vor allen Dingen und allem voran versuchen, unsere Leben auf diese Weise auf- und auszubauen, uns gegenseitig zu unterstützen und Halt zu geben.
Wir sind kein Projekt, sondern ein Geflecht wachsender Beziehungen, die sich stetig entwickeln und die in unterschiedlichem Maße (und nach Phasen verschieden intensiv) gemeinsam organisieren, was sonst der bürgerlichen heteronormativen Kleinfamilie angelastet wird – und vieles mehr dazu.

Freiheit liegt für uns in der Möglichkeit, diese Beziehungen zu leben und zu gestalten.

Freiheit besteht in der Verlässlichkeit und dem Rückhalt dieser Bindungen, emotional oder organisatorisch.

Freiheit liegt für mich in dieser Verbindung von Freund*innenschaft, Liebe und Solidarität.

[Mai 2016]