Archiv für April 2013

untergründig Das Gesetz der zwei Füße

Und wieder scheidet eine Frau
aus Technik, Politik, Wekstatt, Organisation
sie hat gekämpft und Zähne gezeigt
niemand hat sie gebeten zu gehn

doch jetzt gibt sie auf
– nicht ihre Ideale
sondern den Typen hier das zu verklickern
– nicht sich selbst
sondern die Struktur, die sie lähmt

Sie war guten Mutes
bedenkenlos
und alles ging gut
bis zu den Konflikten
in denen sie anderer Meinung war
und die sie selbst als Erste betrafen

Niemand hat sie gebeten zu gehn
„Wir suchen doch den Dialog!“
und manche bedauern was kommen musste
Doch nimmerendende Rechtfertigungen
Misstrauen, Untergraben, in Frage stellen
und subtile Nicht-Anerkennung
wirken besser als jede Barriere
Wir nehmen freiwillig unseren Hut
und schenken uns die bohrenden Blicke
Ablehnung und Kraft und Zeit

Und wieder scheidet eine Frau
(die dritte, die vierte, die fünfte …)
von der Bild- und Bühnenfläche

Wer bleibt zurück?

Sie gehen von der Bühne
              doch treffen sich

sie sammeln sich im Untergrund

wer weiß was da passiert
wer weiß was
wer weiß

was
passiert
im Untergrund

letztlich …

… ist es meist entscheidend, zu erkennen,
welche Konflikte nicht ausgetragen werden können.

Abenteuerurlaub (oder: Wenn die Steine erwachen)

Ein bunter Strudel
von Ausblicken Orten Begegnungen Farben Geschmack und wilden Hoffnungen Frustrationen

rauscht wie Landschaften und Straßen
an mir vorbei unter mir hinweg
in Zentrifugen um mich herum

Splitter von anderen Leben
in unbekannten Autos, eingetaucht in kreuzende Wege und Lebensgeschichten
kein Herantasten Aufwärmen – Sprung ins Wasser
ohne doppelten Boden

und wir sind wo wir sind
und was wir erzählen
und wohin uns unsere Gedanken tragen
mit nichts als Pappe in der Hand
und Ziele vor Augen, die wir vielleicht
nicht erreichen
So springen wir zwischen Hoffen und Bangen
und zweifeln doch
im Grunde nicht

Und die Sehnsucht zeigt sich in vielen Bildern
und schleicht sich ins Träumen
und hämmert gewaltig und pocht und schreit
will weiter und ferner und wildes hausen
und nach hause
und versucht den bunten Faden zu packen
der hier und da aufblitzt
sich als Idee, als Bild aus der Zukunft zeigt
als Kapitel der Geschichte, in der wir jetzt stecken
       (Geschichten haben Anfang und Ende,
       doch meistens leben wir in der Mitte
       und suchen, wo jetzt die Handlung steckt)
als Möglichkeiten des anderen Lebens
des Lebens überhaupt

Und es wächst
       in leuchtend magenta (nicht rot, nicht pink, nicht lila)
ein Löwenzahn auf meiner Haut
mit tiefdunkelgrünen Wurzeln
       die sich tief in Risse zwängen, Risse sprengen
der leuchtend blüht und sich verteilt
        wer weiß wohin
        der Wind mich trägt

Und ich erwache
und das Leben ist schon da
der Frühstückstisch deckt sich, ich sehe ihm zu

Ich habe geschlafen wie ein Stein
        tief und stark und voller Leben

Und ich frage mich
zum ersten Mal

was
wenn die Steine erwachen