Archiv für Februar 2013

Se(h)lektionen aus dem Panoptikum

Nicht es auszusprechen
ist das Schwierige

sondern
mich zu zwingen
soweit zu denken
dass ich es
benennen kann

Ich sage
„Ich bin eine Frau“
und höre mich zögern

Ich sage
„Ich habe keine Erfahrungen von Gewalt“
und es bleibt
ein fades Gefühl in der Leere

Frau.werden
(weibliche Sozialisation)
habe ich immer als
gewaltförmig empfunden
als ausgrenzend, unterdrückend, verletzend
(nicht, dass ich die Worte dafür gekannt hätte)

Der scharfe Druck
gepresst zu werden in eine Form
       für jeden Millimeter meiner Haut
gibt es eine vorgeschriebene Norm
jedes bisschen meiner Selbst
       hat Regeln zu gehorchen
jeden Winkel meiner Haltung
       kenne ich, muss ich bedenken
jede Bewegung, jeder Schritt
       wird beobachtet, gewertet
jede Sekunde, jeder Inch, jedes Haar
       meines Daseins
ist in fertigen Kriterien
zu analysieren, beurteilen,
              verurteilen
Ich kenne jedes
       dieser Kriterien
(mehr…)

wir müssen gar nichts

Der ganze Gewaltdiskurs
um den weiblichen Körper

(abnehmen, anpassen, zur Schau stellen, innerer und äußerer Gewalteinwirkung aussetzen; zerstörerisch, sklavisch schönsein wollen)

lässt sich in den wenigen, gewaltig
banalen Sätzen weiblicher Sozialisation fassen:

      „Würdig bist du nur dann,
      wenn ein Mann dich haben (d.h. mit dir schlafen) will.
      Dein Körper ist dein Instrument dazu.“

      (Nicht eine Person muss dich retten,
      sondern du rettest dich durch seine/deren Anerkennung
      fehlt dir diese, so fehlt dir was

      dein Körper hat Marktwert
      der Käufer nennt den Preis
      Verkaufst du dich nicht,
      musst du dafür bezahlen

      Dich selbst wert-zu-schätzen ist ein Tabu)

Meine Revolution ist, mir herauszunehmen,
mir bedingungslos gut genug zu sein,
um meine Größe und Kraft zu wissen;

lasst uns heute beschließen,
uns als wundervoll und schön und herausragend großartig anzuerkennen

und niemand wird wieder die Macht haben,
uns in seine Dienste zu stellen,
(um) uns für Anerkennung zu zerstören.

Wenn ich mich gebe
verschenke ich mich –
doch ihr könnt mich nie kaufen
oder behalten

[030213]

Sollbruchstellen

Oft schrecken wir nicht
vor einer Berührung selbst zurück

sondern vor den Folgen,
die wir dahinter sehen.

Der Bruch liegt nicht
Im Abstand
zwischen Körpern
sondern
zwischen Vorstellungen

Wir hören auf
die Stimmen im Kopf

mehr als auf Gefühle
auf und unter unsrer Haut

[020213]

life sentence

Liebe ist bedingungslos

Beziehungen nicht

[020213]

wirk.liche Sprache

zur Sprache ← bringen
zur Sprache ← kommen
zur Sprache ← verhelfen

Die Sprache, der wir uns bedienen
dient uns nicht
oft
ist sie nicht brauchbar

Sprache heißt Sprachgebrauch
Sprache
braucht uns
nicht
scheinbar

Sprache ist auch ohne uns
beschreibt die Welt, die Wirklichkeit
ganz ohne uns.
Wirklichkeit ist
auch ohne uns;

meine Wirklichkeit
ist nicht
ohne mich,
meine Wirklichkeit
hat keine Sprache
ohne mich

[Wenn es durch Sprache eine Wirklichkeit unabhängig von meiner Wirklichkeit gibt
- gäbe es dann ohne Sprache (für mich) eine (von mir) unabhängige Wirklichkeit?
Und wessen wäre es?]

Sprachgebrauch schafft Wirklichkeit
Ich gebrauche meine Sprache

starts now

Some Times
we need to define on our own

therefore:

Happy New Year
2013!